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Im nationalsozialistischen "Angriff" wurde die Institutsplünderung folgendermaßen geschildert:

"Energischer Griff in eine Giftküche. Deutsche Studenten räuchern das "Institut für Sexualforschung" aus. Der Kreis X der Deutschen Studentenschaft besetzte gestern das "Institut für Sexualforschung", das von dem Juden Magnus Hirschfeld geleitet worden war. Dieses Institut, das sich ein wissenschaftliches Mäntelchen umzuhängen versucht hatte und während der 14jährigen marxistischen Herrschaft von den damaligen Machthabern immer protegiert worden ist, war, wie die Hausdurchsuchungen jetzt einwandfrei ergeben haben, eine einzige Brutstätte von Schmutz und Sudelei gewesen. Ein ganzer Lastwagen voll pornographischer Bilder und Schriften sowie Akten und Kartotheken sind beschlagnahmt worden (...) Mit einem Teil des vorgefundenen Materials wird sich die Kriminalpolizei befassen müssen, einen anderen wird die Kundgebung öffentlich verbrennen."

Das Ende des Institutes

Am 14. Juni 1933 teilte der Polizeipräsident dem Innenministerium die Schließung des Instituts mit. Der Hirschfeld-Stiftung wurde nachträglich die Gemeinnützigkeit aberkannt. Die so erzeugte Steuerschuld würde mit dem Erlös aus der Versteigerung des geplünderten Inventars verrechnet.
Das Haus selbst wurde fortan von Naziorganisationen benutzt, bis es schließlich 1936 zum Sitz den staatsmedizinischen Dienstes wurde. Leiter war Arthur Gütt, einer der Kommentatoren des Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses.
Am 22. November 1943 wurde der Gebäudekomplex bei einem Luftangriff schwer beschädigt und 1956 schließlich ganz abgetragen. Heute steht auf dem Grundstück das Bundeskanzleramt.

Der Umgang mit dem Erbe

Ein Westberliner Gericht erklärte die Auflösung der Stiftung und die Zweckentfremdung des Vermögens von Magnus Hirschfeld für rechtmäßig. Keine der beiden Berliner Universitäten erfüllte nach dem Krieg den testamentarischen Willen Magnus Hirschfelds, das verbleibende Vermögen im Falle einer Auflösung der Stiftung zur Schaffung eines Lehrstuhls für Sexualwissenschaft zu verwenden. Erst nach dem Fall der Mauer wurde eine Professur für Sexualmedizin und Sexualwissenschaft an der Berliner Charité eingerichtet, aber noch immer ist die Sexualwissenschaft als solche kein anerkannter Studiengang. Die Gründung eines eigenen Instituts wurde vom Senat von Berlin immer wieder abgelehnt. Im Frühjahr 2001 erwarb die Humboldt-Universität zu Berlin das Archiv für Sexualwissenschaften und gliederte es dem Institut für Kulturwissenschaft an. Daneben existiert, als private Initiative, die Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft e.V., die eine Forschungsstelle zur Geschichte der Sexualwissenschaften eingerichtet hat.



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