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Die kritische Tendenz dieser Artikel findet sich ebenso in den Meldungen von Zeitungen, die östlich der deutschen Grenzen erschienen.
So schrieb Visty pro Umení a Kritiku aus Prag unter dem Titel "Doppelte Gefahr für die Kultur":

"Hitler ließ auf dem Opernplatz in Berlin und auch anderswo in Deutschland ganze Stapel Bücher der Autoren verbrennen, die seinem Regime unangenehm sind. Der Kampfverband für deutsche Kultur erklärte vorläufig 12 deutsche Schriftsteller für schädlich für das Ansehen der deutschen Nation, und wehe jetzt dem Buchhändler, der es wagen sollte, ihre Bücher im Reich zu verkaufen. Sie sind aus der Literatur gestrichen und existieren einfach nicht mehr für den braven Deutschen. (...) Wir sind voll von Abscheu vor diesem Gaunerstück des Dritten Reiches und protestieren mit der ganzen gebildeten Welt. (...) Aber neben der ausgesprochenen Hakenkreuz-Barbarei, wir beobachten es täglich, droht der Kultur noch eine andere Gefahr. Die Hitlersche Bilderstürmerei kommt aus dem unverträglichen, immer unverträglichen Fanatismus heraus. (...) Hitler wird die verbrannten Bücher nicht zum Schweigen bringen. Ihre Gedanken werden um so mehr nach dem Gesetz des Widerstandes in den deutschen Köpfen gären und vielleicht erst jetzt wird die Gärung die menschlichen Seelen durchdringen. (...) Hitler, um so zu sagen, tötet nur den Körper, aber die Gleichgültigkeit, die der Kultur in der heutigen dekadenten Welt droht, tötet den Geist."

Der Vergleich der Ereignisse im nationalsozialistischen Deutschland mit mittelalterlichen Inquisitionsritualen findet sich auch in der damaligen sowjetischen Presse. Die Pravda vom 16. Mai 1933 bringt unter dem Titel "Kultura na koctre" ("Kultur auf dem Scheiterhaufen") einen ausführlichen, fast polemischen Augenzeugenbericht über das Geschehen auf dem Opernplatz in Berlin:


"Plötzlich entsteht ein ohrenbetäubendes Gebrüll in der Menge. Eine Gruppe von SA-Männern trägt ein Porträt von Karl Marx nach vorne und wirft es in die Flammen. Ein "Schwarzhemd" haut rasend mit einer Axt auf den brennenden Holrahmen ein. Danach macht er vor den Flammen ein Kreuzzeichen in die Luft - ein Hakenkreuzzeichen. Das Feuer beleuchtet sein bestialisches Gesicht. (...) Neben mir steht eine dicke Dame mit schief aufgesetztem Hut und dem Gesicht rot vor Aufregung. Auf der Brust trägt sie das faschistische Abzeichen. Sie packt krampfhaft die Hand ihres Mannes im braunem Hemd und schreit gellend, indem sie verfolgt, wie der Wind die halbverbrannten Buchseiten über die Häupter der Menge trägt: 'Schöne Zeit, schöne Zeit!' (...)"






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