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Die Erstellung der "Schwarzen Liste"

Einem Artikel der "Deutschen Allgemeinen Zeitung" vom 5. April 1933 zufolge führte der "Kampfbund für Deutsche Kultur" unter Leitung seines preußischen Landesvorsitzenden und gleichzeitigen Staatskommissars im Preußischen Kultusministerium Hans Hinkel Anfang April in Berlin eine Veranstaltung unter dem Motto "Buch und Geist" durch. Dem Artikel ist die Mitteilung Hinkels zu entnehmen, dass ein "Aktionsausschuss gegen artfremde und deutschfeindliche Bücher" gegründet worden sei.

Es ist nicht erwiesen, ob dieser "Aktionsausschuss" identisch war mit dem "Ausschuss zur Neuordnung der Berliner Stadt- und Volksbüchereien", welcher Ende März oder Anfang April 1933 unter Leitung der Doktoren Wolfgang Herrmann, Max Wieser und Hans Engelhard eingerichtet wurde. Dieser Ausschuss befasste sich mit der Erstellung der sogenannten "Schwarzen Listen", welche Grundlage für die von der DSt durchgeführten Bücherverbrennungen wurden. Die Kriterien, nach denen das Gesamtwerk oder einzelne Werke von SchriftstellerInnen und WissenschaftlerInnen auf den "Schwarzen Listen" indiziert wurden, folgten zunächst einem sehr einfachen Schema. So wurden die Feuilletons alter Ausgaben des "Völkischen Beobachters", des "Angriffs" und anderer NS-Zeitungen auf ihre Bewertung hinsichtlich literarischer und wissenschaftlicher Werke durchgesehen. Fanden sich dabei im NS-Jargon übliche Begriffe wie "Asphaltliteratur", "zersetzend", "pazifistisch", "intellektueller Nihilismus", "Jude" oder "Kulturbolschewist", wurden die betreffenden VerfasserInnen auf die "Schwarzen Listen" gesetzt. Diese eher provisorischen Indizierungspraktiken unerwünschter Literatur waren die Anfänge der später von der Reichsschrifttumskammer institutionalisierten Erstellung der "Schwarzen Listen". Der Umfang der indizierten Literatur nahm dabei auch aufgrund der vermehrten Publikation deutscher Literatur im Exil immer weiter zu.

Auch der "Völkische Beobachter" selbst bestärkte im Vorfeld der Bücherverbrennungen noch einmal die "Richtlinien" der NS-Schrifttumspolitik.


Vom "Ausschuss zur Neuordnung der Berliner Stadt- und Volksbüchereien" aus arbeitete Dr. Herrmann der DSt während der "Aktion wider den undeutschen Geist" direkt zu. Ein Brief Herrmanns an die DSt vom 1. Mai 1933 gibt einen Einblick in die improvisierte Arbeitsweise des genannten Ausschusses. Herrmann ließ dem Schreiben zufolge die fertiggestellten "Schwarzen Listen" beim neuen preußischen Kultusminister Bernhard Rust (NSDAP, 1934 bis 1945 Reichserziehungsminister) gegenzeichnen und sandte sie dann an die DSt.

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