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Zeitzeugen

E. Castonier: Stürmisch bis heiter. Memoiren einer Außenseiterin, München 1964

"Ich ging mit Ines zum Opernplatz, denn dergleichen sieht man nur einmal im Leben - und außerdem war es gut, Zeuge gewesen zu sein. Menschenmassen strömten die Linden entlang. Musikkapellen spielten, es herrschte Feiertagsstimmung. Fackelzüge marschierten auf, Studenten umstanden den Scheiterhaufen, warfen ihre Fackeln in die Flammen, hochbeladene Lastwagen brachten Brennmaterial, die deutsche Literatur. Zuerst kamen die Prominenten, später alles, was aus Verlagen und Buchhandlungen an verbotenen Schriften abgeholt worden war. (...) Ein Sprecher schrie den Namen des Autors: "Ich übergebe den Flammen die Werke von...". (...)
Die Menschenmassen heulten Beifall, schrien Deutschland erwache, Juda verrecke, Heil Hitler. (...) Gegen Mitternacht hielt der Ober-Derwisch Goebbels mit überschnappender Stimme eine Ansprache, die neue Beifallsstürme und Heilrufe provozierte. Dann kamen die Werke der Nichtprominenten an die Reihe, wurden ballenweise in die Flammen geworfen, und immer wieder riefen Stimmen: "Wir brauchen mehr, sonst geht das Feuer aus!""


E. Kästner: "Bei Verbrennung meiner Bücher", aus: Kästner für Erwachsene, herausgegeben von Rudolf Walter Leonhardt, Frankfurt/M. 1966

"Ich stand vor der Universität eingekeilt zwischen Studenten in SA-Uniform, sah unsere Bücher in die zuckenden Flammen fliegen und hörte die schmalzigen Tiraden des kleinen abgefeimten Lügners. Begräbniswetter hing über der Stadt. Der Kopf einer zerschlagenen Büste Magnus Hirschfelds stak auf einer langen Stange, die, hoch über der stummen Menschenmenge, hin und her schwankte. Es war widerlich. (...) Die Bücher flogen weiter ins Feuer. Die Tiraden des kleinen abgefeimten Lügners ertönten weiterhin. Und die Gesichter der braunen Studentengarde blickten, den Sturmriemen unterm Kinn, unverändert geradeaus, hinüber zu dem Flammenstoß und zu dem psalmodierenden, gestikulierenden Teufelchen. In dem folgenden Jahrdutzend sah ich Bücher von mir nur die wenigen Male, die ich im Ausland war. In Kopenhagen, in Zürich, in London. Es ist ein merkwürdiges Gefühl, ein verbotener Schriftsteller zu sein und seine Bücher nie mehr in Buchläden zu sehen. In keiner Stadt des Vaterlandes. Nicht einmal in der Heimatstadt. Nicht einmal an Weihnachten, wenn die Deutschen durch die verschneiten Straßen eilen, um Geschenke zu besorgen. Zwölf Weihnachten lang! Man ist lebender Leichnam."





















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